Niklas R. · News

44 Jahre mussten die Fans der Milwaukee Brewers auf die nächste World-Series-Teilnahme ihrer Mannschaft warten. Nach dem sensationellen Sweep gegen die Los Angeles Dodgers ist der Traum endlich Wirklichkeit geworden.
Für einige Anhänger sollte die diesjährige World Series allerdings eine ganz besondere Bedeutung haben. Schließlich hatten sie ihre Eintrittskarten für das größte Baseballereignis des Jahres bereits vor elf Jahren gekauft.
Doch ausgerechnet bei diesen besonders treuen Fans sorgte die Ticketvergabe kurz vor dem ersten Spiel für reichlich Frust.
Der Grund: eine außergewöhnliche Marketingaktion aus dem Jahr 2015 und ein Versprechen, bei dessen Umsetzung die Erwartungen einiger Käufer enttäuscht wurden.
1.000 Dollar für ein Ticket ohne Ablaufdatum
Im Jahr 2015 präsentierten die Milwaukee Brewers eine ungewöhnliche Aktion.
Für jeweils 1.000 US-Dollar konnten Fans ein sogenanntes „Timeless Ticket“ erwerben. Insgesamt wurden lediglich 1.000 dieser besonderen Eintrittskarten angeboten.
Dabei handelte es sich nicht um ein gewöhnliches Papierticket, sondern um eine personalisierte Eintrittskarte aus Bronze.
Das Besondere: Die Besitzer konnten ihr Ticket für ein beliebiges zukünftiges Heimspiel der Brewers einlösen. Ein Ablaufdatum gab es nicht.
Selbst ein mögliches siebtes Spiel einer World Series war eingeschlossen.
Zusätzlich erhielten Käufer die Möglichkeit, für das ausgewählte Spiel bis zu drei weitere Eintrittskarten zum regulären Verkaufspreis zu erwerben.
Außerdem sollten sie die besten zum Zeitpunkt der Einlösung verfügbaren Sitzplätze erhalten. Allerdings stand dieses Versprechen unter dem Vorbehalt der tatsächlichen Verfügbarkeit.
Für viele Fans war das Angebot eine Investition in einen Traum. Schließlich hatten die Brewers seit 1982 nicht mehr in der World Series gestanden.
Elf Jahre später sollte sich diese Hoffnung endlich erfüllen.
Statt Traumplätzen plötzlich nur Oberrang oder Stehplätze
Als die Brewers in diesem Oktober tatsächlich die World Series erreichten, wollten mehrere Hundert Besitzer ihre besonderen Tickets endlich einlösen.
Doch die Vorfreude verwandelte sich bei einigen Fans schnell in Enttäuschung.
Denn bei der Reservierung wurden ihnen teilweise lediglich Plätze auf dem obersten Rang des American Family Field oder sogar Stehplätze angeboten.
Einer der enttäuschten Käufer ist Danny Fochesato aus Milwaukee.
Er hatte sich das Ticket 2015 zu seinem 27. Geburtstag gekauft und von Anfang an geplant, es ausschließlich für eine mögliche World Series einzusetzen.
Als die Brewers 2018 kurz vor dem Finale standen, hätte Fochesato nach eigenen Angaben noch Plätze im unteren Bereich direkt hinter der Home Plate erhalten können.
2026 sah die Situation plötzlich anders aus.
Ihm wurden zunächst nur Plätze auf der 400er-Ebene (Oberrang im American-Family Field) oder Stehplätze angeboten.
Besonders ärgerlich: Als später der öffentliche Ticketverkauf begann, entdeckte Fochesato nach eigener Aussage bessere Sitzplätze als jene, die ihm zuvor im Rahmen des Timeless-Ticket-Programms angeboten worden waren.
Für ihn war damit klar, dass die tatsächliche Ticketvergabe nicht seinen ursprünglichen Erwartungen entsprach.
Zwei Brüder wollen aus Protest lieber zu Hause bleiben
Noch deutlicher fiel die Kritik der Brüder Kevin und Kyle Deaton aus Kenosha aus.
Beide hatten 2015 jeweils 1.000 Dollar für ein Timeless Ticket bezahlt und elf Jahre auf die Möglichkeit gewartet, ihre Brewers in der World Series zu sehen.
Doch als sie die angebotenen Sitzplätze sahen, waren sie enttäuscht.
Kyle Deaton erklärte gegenüber dem lokalen Fernsehsender TMJ4 sinngemäß, dass man nicht die besten verfügbaren Plätze versprechen und anschließend nahezu die schlechtesten Plätze des gesamten Stadions anbieten könne.
Besonders brisant: Laut Kyle habe ihm eine Mitarbeiterin des Ticketbüros bestätigt, dass durchaus bessere Plätze verfügbar seien, diese allerdings nicht für Besitzer der Timeless Tickets vorgesehen wären.
Sein Bruder Kevin hatte zwar nicht unbedingt mit Plätzen direkt am Spielfeldrand gerechnet, aber zumindest auf einen Sitzplatz in den ersten Reihen gehofft.
Stattdessen sollten die Brüder auf den obersten Tribünenrängen Platz nehmen.
Die Konsequenz: Beide entschieden zunächst, ihre Tickets aus Prinzip nicht einzulösen und die World Series lieber zu Hause zu verfolgen.
Auch andere Besitzer äußerten in sozialen Netzwerken ihren Unmut über die Sitzplatzvergabe.
Auch die zusätzlichen Tickets wurden zum teuren Vergnügen
Für zusätzliche Diskussionen sorgten die Preise der Begleitkarten.
Denn wer 2015 ein Timeless Ticket gekauft hatte, durfte zwar bis zu drei weitere Karten erwerben, musste dafür allerdings den aktuellen regulären Verkaufspreis bezahlen.
Und der hatte es 2026 in sich.
Laut einem Bericht des Milwaukee Journal Sentinel wurden für zusätzliche Tickets im Rahmen der Aktion je nach Kategorie zwischen 725 und 1.000 Dollar aufgerufen.
Zum Vergleich: Als Fochesato 2018 bereits einmal vorsorglich Tickets für eine mögliche World Series reservierte, hätten zusätzliche Plätze hinter der Home Plate jeweils rund 360 Dollar gekostet.
Auch Dustin Buck aus Iowa, der 2015 gleich zwei Timeless Tickets gekauft hatte, musste für die beiden zusätzlichen Karten seiner Söhne jeweils 1.000 Dollar bezahlen.
Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass die Brewers nie feste Preise für die zusätzlichen Tickets garantiert hatten. Bereits beim Kauf war klar, dass für Begleitpersonen die jeweils gültigen Ticketpreise anfallen würden.
Die hohen Kosten waren deshalb weniger ein gebrochenes Versprechen als vielmehr eine Folge der enormen Nachfrage nach der ersten World Series in Milwaukee seit 44 Jahren.
Brewers reagieren und entschuldigen sich
Die Kritik blieb auch bei den Verantwortlichen der Milwaukee Brewers nicht unbemerkt.
Am Dienstag, dem 20. Oktober, äußerte sich Rick Schlesinger, Präsident des Geschäftsbereichs der Franchise, öffentlich zu den Beschwerden.
Er bestätigte, dass mehrere Hundert Besitzer ihre Timeless Tickets für die World Series einlösen wollten.
Zwar sei es gelungen, allen fristgerecht registrierten Käufern Plätze anzubieten. Allerdings habe die Organisation Fehler bei der internen Kommunikation und der Abwicklung gemacht.
Schlesinger räumte ein, dass die Brewers trotz der begrenzten Sitzplatzkapazitäten dem ursprünglichen Geist der Aktion nicht vollständig gerecht geworden seien.
Die Franchise entschuldigte sich deshalb und kündigte eine besondere Wiedergutmachung an.
Alle Besitzer, die ihre Timeless Tickets rechtzeitig für die World Series angemeldet hatten, dürfen ihre erhaltenen Eintrittskarten behalten.
Gleichzeitig wird ihr ursprüngliches Timeless Ticket nicht entwertet.
Sie können es stattdessen in einer zukünftigen Saison erneut für ein Heimspiel der Milwaukee Brewers einsetzen.
Damit erhalten die betroffenen Fans gewissermaßen eine zusätzliche Eintrittskarte als Entschädigung.
Eine durchaus großzügige Geste, mit der Milwaukee zeigt, dass man die Kritik ernst nimmt und die Beziehung zu den eigenen Fans nicht durch eine missglückte Ticketvergabe belasten möchte.
Am Ende geht es um mehr als den Sitzplatz
Bei aller berechtigten Kritik sollte allerdings nicht vergessen werden, was hinter der ursprünglichen Idee der Timeless Tickets steckt.
Als die Brewers 2015 diese außergewöhnliche Aktion starteten, wussten weder die Franchise noch ihre Fans, wann Milwaukee wieder eine World Series erreichen würde.
Vielleicht in drei Jahren. Vielleicht in zehn. Vielleicht sogar niemals.
Trotzdem entschieden sich 1.000 Fans dazu, ihrer Mannschaft gewissermaßen einen Vertrauensvorschuss zu geben.
Einer von ihnen war Dustin Buck aus Iowa.
Er kaufte damals zwei Timeless Tickets, als seine Kinder noch klein waren.
Heute sind seine Söhne 17 und 13 Jahre alt. Gemeinsam werden sie das erste Spiel der World Series in Milwaukee besuchen.
Für Buck ist die damalige Investition deshalb ein voller Erfolg.
Auch Danny Fochesato möchte sich den besonderen Moment trotz seiner ursprünglichen Enttäuschung nicht nehmen lassen.
Nach Gesprächen mit der Franchise erhielt er unter anderem einen Platz im unteren Stadionbereich für Spiel 1 und drei Plätze im Oberrang für Spiel 2.
Besonders wichtig ist ihm, die World Series gemeinsam mit seinem inzwischen 76-jährigen Vater und seiner Schwester zu erleben.
Denn am Ende zählt für ihn nicht nur die Qualität der Sitzplätze, sondern vor allem die gemeinsame Erinnerung.
Eine außergewöhnliche Idee mit einem versöhnlichen Ende
Die Geschichte der Timeless Tickets zeigt, wie schwierig es sein kann, ein elf Jahre altes Versprechen unter völlig veränderten Bedingungen einzulösen.
Die Erwartungen der Fans waren verständlicherweise hoch. Schließlich hatten sie bereits 2015 viel Geld investiert und jahrelang auf diesen einen Moment gewartet.
Gleichzeitig standen die Brewers vor der Herausforderung, mehrere Hundert besondere Ticketansprüche mit einer enormen Nachfrage nach World-Series-Karten in Einklang zu bringen.
Dass die Umsetzung nicht reibungslos funktionierte, hat die Organisation inzwischen selbst eingeräumt.
Doch ebenso gehört zur Geschichte, dass die Brewers auf die Kritik reagierten, sich öffentlich entschuldigten und den betroffenen Fans eine zusätzliche Einlösemöglichkeit gewährten.
Damit dürfte die Aktion trotz der anfänglichen Enttäuschung für viele Besitzer in positiver Erinnerung bleiben.
Denn während andere Fans für World-Series-Tickets auf dem Zweitmarkt teilweise mehrere Tausend Dollar bezahlen müssen, dürfen die Besitzer der Timeless Tickets nun ein historisches Ereignis erleben, auf das sie elf Jahre lang gewartet haben.
Am Freitagabend werden die Milwaukee Brewers erstmals seit 1982 wieder ein World-Series-Spiel bestreiten.
Auf den Tribünen werden dann auch Menschen sitzen, die sich ihre Eintrittskarte für diesen Abend bereits vor mehr als einem Jahrzehnt gesichert haben.
Und vielleicht wird spätestens beim ersten Pitch auch der Ärger der vergangenen Tage für einen Moment vergessen sein.
Denn manche Tickets kauft man für ein Baseballspiel. Andere für eine Erinnerung, die ein Leben lang bleibt.
