Niklas R. · World Series

Es ist nicht die World Series der großen Namen, die uns 2026 erwartet.
2024 trafen mit den Los Angeles Dodgers und New York Yankees zwei der bekanntesten Franchises des gesamten Sports aufeinander. Ein Jahr später standen sich die Dodgers und Toronto Blue Jays gegenüber. Shohei Ohtani, Aaron Judge, Mookie Betts oder Vladimir Guerrero Jr. – die vergangenen beiden World Series boten Superstars, internationale Strahlkraft und Franchises mit riesigen Fangemeinden.
2026 sieht das anders aus: Milwaukee Brewers vs. Tampa Bay Rays.
Milwaukee mit etwas über 500.000 Einwohnern gegen Tampa mit etwas mehr als 300.000 Einwohner.
Kein New York mit 8,3 Millionen Einwohner, kein Los Angeles mit 4,2 Millionen Einwohner und auch keine kanadische Franchise wo das ganze Land hintersteht.
Nein, Milwaukee gegen Tampa ist der Fall Classic 2026!
Zwei Franchises die in Deutschland und Europa nicht unbedingt zu den Teams mit den meisten Fans gehören kämpfen jetzt um die World Series.
Doch nur weil die großen Namen fehlen, bedeutet das noch lange nicht, dass uns eine langweilige World Series erwartet.
Ganz im Gegenteil!
Beide Mannschaften haben außergewöhnliche Geschichten zu erzählen und könnten erstmals in ihrer Franchise-Geschichte den größten Titel im Baseball gewinnen.
Aber warum sollte man ausgerechnet den Milwaukee Brewers die Daumen drücken?
Wir liefern euch fünf Gründe, warum ihr euch in die Franchise aus Wisconsin verlieben könntet.
Brewers - Auf Deutsch Bierbrauer. Was will das deutsche Baseballherz mehr?Foto: Jeramey Jannene (öffnet in neuem Tab) · Quelle (öffnet in neuem Tab)
1. Weil Bier und Baseball einfach zusammengehören!
Hand aufs Herz: Gibt es eine schönere Kombination als ein spannendes Baseballspiel, eine Bratwurst und ein kühles Bier?
In Milwaukee hat man diese Frage offenbar schon vor langer Zeit beantwortet.
Nicht umsonst trägt die Franchise den Namen „Brewers“, zu Deutsch: Brauer.
Denn Milwaukee ist eine der traditionsreichsten Bierstädte der Vereinigten Staaten.
Bereits im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem der wichtigsten Zentren der amerikanischen Brauindustrie. Große Namen wie Miller, Pabst, Schlitz und Blatz haben hier ihre Wurzeln.
Zeitweise war Milwaukee sogar als Bierhauptstadt Amerikas bekannt.
Dass sich die örtliche Baseballmannschaft ausgerechnet nach den Bierbrauern benannt hat, ist deshalb alles andere als ein Zufall.
Und diese Verbindung zwischen Bier und Baseball zieht sich bis heute durch die gesamte Franchise.
Das American Family Field ist nicht einfach nur ein Ort, an dem Baseball gespielt wird. Es ist auch ein Treffpunkt für Fans, die ihre Mannschaft gemeinsam feiern möchten.
Besonders beliebt ist dabei das bekannte Tailgating.
Schon Stunden vor dem ersten Pitch versammeln sich zahlreiche Brewers-Fans auf den Parkplätzen rund um das Stadion. Dort werden Grills aufgebaut, Bratwürste gebraten, Getränke geöffnet und gemeinsam über das Spiel diskutiert.
Was für deutsche Fußballfans die Bratwurst und das Bier vor dem Stadion sind, gehört in Milwaukee zum festen Bestandteil eines Baseballspieltags.
Und natürlich darf auch das Maskottchen nicht fehlen.
Bernie Brewer, der fröhliche Mann mit dem gewaltigen Schnurrbart, ist seit Jahrzehnten eines der bekanntesten Gesichter der Franchise.
Früher rutschte Bernie nach einem Home Run der Brewers sogar in einen riesigen Bierkrug. Heute feiert er die Homeruns der Brewers mit einer Rutschpartie im American Family Field.
Eine Franchise, die nach Bierbrauern benannt ist, deren Fans vor dem Spiel gemeinsam grillen und deren Maskottchen nach Home Runs eine Rutsche hinuntersaust?
Mal ehrlich: Viel sympathischer kann Baseball doch kaum werden.
Milwaukee gilt auch als Little GermanyFoto: Michael Barera (öffnet in neuem Tab) · Quelle (öffnet in neuem Tab)
2. Weil Milwaukee ein kleines Stück Deutschland in den USA ist
Wer als deutscher Baseballfan noch auf der Suche nach einem MLB-Team ist, sollte sich Milwaukee einmal genauer anschauen.
Denn die Stadt im Bundesstaat Wisconsin besitzt eine außergewöhnlich enge Verbindung zu Deutschland.
Im 19. Jahrhundert wanderten zahlreiche Deutsche in die Region aus. Besonders Menschen aus Bayern und anderen Teilen des damaligen deutschen Sprachraums fanden in Wisconsin eine neue Heimat.
Sie brachten nicht nur ihre Sprache und ihre Traditionen mit, sondern auch ihre Begeisterung für Bier, Musik, gutes Essen und gesellige Feste.
Diese Einflüsse prägen Milwaukee teilweise bis heute.
Deutsche Restaurants, traditionelle Bierhallen und Veranstaltungen wie das German Fest erinnern an die Geschichte der Einwanderer.
Auch in der Architektur und in zahlreichen Familiennamen finden sich bis heute Spuren der deutschen Vergangenheit.
Besonders deutlich wird diese Verbindung beim Bierbrauen.
Viele der großen Brauereien Milwaukees wurden von deutschen Einwanderern gegründet oder entscheidend geprägt. Ohne ihr Wissen und ihre Erfahrung wäre Milwaukee vermutlich nie zu jener Biermetropole geworden, die der Stadt ihren weltweiten Ruf eingebracht hat.
Doch auch kulinarisch fühlt man sich in Wisconsin gelegentlich erstaunlich heimisch.
Bratwurst, Sauerkraut, Brezeln und Bier gehören dort genauso zum kulturellen Selbstverständnis wie in vielen Regionen Deutschlands.
Und damit wären wir auch schon bei einer der kuriosesten Traditionen der gesamten MLB.
Denn während andere Mannschaften ihre Zuschauer zwischen den Innings mit gewöhnlichen Spielen unterhalten, veranstalten die Brewers ein Wettrennen zwischen fünf riesigen Würstchen.
Richtig gelesen.
Beim berühmten „Sausage Race“ treten Bratwurst, Hot Dog, Polish Sausage, Italian Sausage und Chorizo gegeneinander an.
Die überdimensionalen Würstchen rennen dabei entlang des Spielfelds um die Wette und werden von Tausenden Zuschauern angefeuert.
Was Anfang der 1990er-Jahre als kleine Unterhaltung auf der Videowand begann, entwickelte sich zu einer der beliebtesten Traditionen im amerikanischen Baseball.
Und selbstverständlich hat die deutsche Bratwurst ihren festen Platz im Teilnehmerfeld.
Wer also schon immer einmal eine Bratwurst bei einem Sprint durch ein Baseballstadion anfeuern wollte, ist in Milwaukee genau richtig.
Vielleicht ist es sogar die deutscheste Tradition, die man in einem MLB-Ballpark finden kann.
2.1 Weil mit Yannic Walther auch ein Deutscher zur Brewers-Familie gehört!
Mit Yannic Walther spielt auch ein deutsches Baseballtalent im Farmsystem der Milwaukee Brewers. Der junge Catcher arbeitet sich durch die Minor Leagues und träumt vom Sprung in die MLB. Ein weiterer Grund für deutsche Baseballfans, die Brew Crew ganz besonders im Auge zu behalten!
Er kam, sah und dominierte - Jacon MisiorowskiFoto: Drovetochicago (öffnet in neuem Tab) · Quelle (öffnet in neuem Tab)
3. Weil Jacob Misiorowski Baseballs in echte Geschosse verwandelt
Es gibt Pitcher, bei denen man schon vor dem ersten Pitch weiß, dass etwas Besonderes passieren könnte.
Jacob Misiorowski gehört definitiv dazu.
Der junge Rechtshänder der Milwaukee Brewers hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der spektakulärsten Pitcher der gesamten MLB entwickelt.
Und das liegt vor allem an einer Sache: seiner unglaublichen Geschwindigkeit.
Misiorowski kann seinen Fastball regelmäßig mit mehr als 100 Meilen pro Stunde Richtung Home Plate feuern. Umgerechnet sind das über 160 km/h.
Für gegnerische Batter bedeutet das vor allem eines: verdammt wenig Zeit zum Reagieren.
Doch der 24-Jährige ist weit mehr als nur ein Pitcher mit einem harten Fastball.
Seine Kombination aus Geschwindigkeit, Bewegung und unterschiedlichen Breaking Balls macht ihn zu einem der schwierigsten Gegner für die besten Hitter der Liga.
2026 gelang ihm endgültig der Durchbruch.
Mit einer Bilanz von 16 Siegen und fünf Niederlagen, einem ERA von 1.80 und beeindruckenden 252 Strikeouts führte Misiorowski die Brewers durch eine historische Regular Season.
Kein Pitcher der MLB sammelte in diesem Jahr mehr Strikeouts.
Damit entwickelte sich der Rechtshänder nicht nur zum wichtigsten Starter der Brewers, sondern auch zu einem der aussichtsreichsten Kandidaten auf den National League Cy Young Award.
Besonders faszinierend ist dabei seine Erscheinung auf dem Mound.
Mit seiner Körpergröße von knapp zwei Metern und seiner explosiven Wurfbewegung wirkt Misiorowski teilweise wie eine menschliche Pitching-Maschine.
Und wenn er nach einem wichtigen Strikeout seine Emotionen herauslässt, springt die Begeisterung schnell auf die Tribünen über.
Dabei ist Misiorowski erst am Anfang seiner MLB-Karriere.
Die World Series bietet ihm nun die Gelegenheit, sich endgültig auf der größten Bühne des Baseballsports zu präsentieren.
Wer also gerne spektakuläres Pitching, dreistellige Fastball-Geschwindigkeiten und jede Menge Strikeouts sieht, sollte bei den Brewers ganz genau hinschauen.
Denn Jacob Misiorowski ist einer dieser Spieler, für die man auch als neutraler Fan gerne den Fernseher einschaltet.
4. Weil die Brewers ihre ganz eigene Baseballfamilie haben
Milwaukee ist keine Metropole wie New York, Los Angeles oder Chicago.
Mit rund 580.000 Einwohnern gehört die Stadt zu den kleineren MLB-Standorten. Doch genau das macht die Beziehung zwischen der Mannschaft und ihren Fans so besonders.
Die Brewers sind ein wichtiger Bestandteil der regionalen Identität.
In Wisconsin ist Baseball nicht einfach nur eine von vielen Freizeitbeschäftigungen. Die Mannschaft verbindet Generationen von Fans, die gemeinsam Siege feiern und Niederlagen verarbeiten.
Dabei besitzt die Franchise eine bemerkenswerte Geschichte.
Bereits 1982 erreichten die Brewers zum ersten Mal die World Series. Damals gehörten Spieler wie Robin Yount, Paul Molitor und Cecil Cooper zu den großen Gesichtern der Mannschaft.
Die als „Harvey's Wallbangers“ bekannte Offensive begeisterte die Baseballwelt, musste sich in der World Series allerdings den St. Louis Cardinals in sieben Spielen geschlagen geben.
Anschließend begann eine lange Zeit des Wartens.
Von 1983 bis 2007 verpasste Milwaukee die Postseason komplett.
Erst 2008 gelang die Rückkehr in die Playoffs.
In den vergangenen Jahren entwickelte sich die Franchise jedoch zu einem regelmäßigen Postseason-Teilnehmer. Trotzdem blieb der große Erfolg aus.
2018 scheiterten die Brewers erst in Spiel 7 der NLCS an den Los Angeles Dodgers.
2025 folgte die nächste schmerzhafte Niederlage gegen denselben Gegner.
Doch die Fans blieben ihrer Mannschaft treu.
Und 2026 wurden sie endlich belohnt.
Nach einer Regular Season mit 103 Siegen – einem neuen Franchise-Rekord – erreichten die Brewers erstmals seit 44 Jahren wieder die World Series.
Für viele Fans in Wisconsin ist das ein Moment, auf den sie ihr ganzes Leben gewartet haben.
Großeltern, die 1982 bereits vor dem Fernseher saßen, können nun gemeinsam mit ihren Kindern und Enkeln eine neue Generation von Brewers-Spielern anfeuern.
Solche Geschichten machen Baseball aus.
Denn bei den Brewers geht es nicht nur um die Spieler auf dem Feld.
Es geht um eine ganze Region, die endlich ihren ersten World-Series-Titel feiern möchte.
- Weil die Brewers die Dodgers-Dynastie gestoppt haben
Es gibt Momente im Sport, die eine Mannschaft für immer verändern können.
Für die Milwaukee Brewers könnte die National League Championship Series 2026 genau so ein Moment gewesen sein.
Denn ausgerechnet gegen die Los Angeles Dodgers gelang Milwaukee eine der beeindruckendsten Leistungen der bisherigen Postseason.
Die Ausgangslage hätte kaum brisanter sein können.
2025 waren die Brewers in der NLCS noch von den Dodgers gesweept worden. Vier Spiele, vier Niederlagen und ein bitteres Saisonende.
Während Los Angeles anschließend den zweiten World-Series-Titel in Folge feierte, mussten die Brewers erneut zuschauen.
Ein Jahr später standen sich beide Mannschaften wieder gegenüber.
Die Dodgers wollten als erstes Team seit den New York Yankees von 1998 bis 2000 drei World-Series-Titel in Folge gewinnen.
Mit Shohei Ohtani, Mookie Betts, Freddie Freeman und weiteren Superstars verfügten sie über einen der prominentesten Kader der gesamten Liga.
Doch die Brewers hatten offensichtlich andere Pläne.
Milwaukee gewann die ersten beiden Spiele vor heimischem Publikum und ließ anschließend auch im Dodger Stadium nichts anbrennen.
Mit einem 6:4-Erfolg in Spiel 4 machten die Brewers den Sweep perfekt.
Vier Spiele, vier Siege.
Und das gegen den amtierenden zweifachen World-Series-Champion.
Besonders bemerkenswert: Noch nie zuvor hatte eine Mannschaft in der MLB-Geschichte einen Gegner in der Postseason gesweept, von dem sie im Jahr zuvor selbst gesweept worden war.
Die Brewers schrieben damit Baseballgeschichte.
Während die Dodgers mit ihren Superstars und ihrer enormen finanziellen Schlagkraft eigentlich den nächsten Titel gewinnen wollten, setzte Milwaukee auf eine eingespielte Mannschaft, herausragendes Pitching und eine beeindruckende Geschlossenheit.
Doch man sollte die Brewers deshalb keineswegs nur als glücklichen Underdog betrachten.
Mit 103 Siegen stellten sie bereits während der Regular Season die beste Bilanz der gesamten MLB auf.
Sie waren also nicht einfach nur eine Mannschaft, die zufällig zur richtigen Zeit heiß lief.
Sie waren über die gesamte Saison hinweg eines der besten Teams im Baseball.
Und mit dem Sweep gegen Los Angeles haben sie endgültig bewiesen, dass sie ihren Platz in der World Series verdient haben.
Für Fans, die nach zwei Dodgers-Titeln in Folge gerne einmal ein neues Gesicht auf dem Baseballthron sehen möchten, könnten die Brewers deshalb genau die richtige Mannschaft sein.
Bier, Bratwurst und Baseball – vielleicht ist Milwaukee das perfekte Team für deutsche Fans!
Natürlich besitzen die Milwaukee Brewers nicht die internationale Strahlkraft der Los Angeles Dodgers oder New York Yankees.
In Deutschland dürfte man deutlich häufiger ein Trikot von Shohei Ohtani oder Aaron Judge sehen als eines von Jackson Chourio, Christian Yelich oder Jacob Misiorowski.
Doch vielleicht sollte sich das ändern.
Denn kaum eine andere MLB-Franchise verbindet amerikanischen Baseball mit so vielen Traditionen, die uns in Deutschland vertraut vorkommen.
Bierbrauen, Bratwurst, gesellige Feste und eine Stadt, die stolz auf ihre deutschen Wurzeln ist.
Dazu kommt eine Mannschaft, die mit spektakulärem Pitching, einer historischen Regular Season und einer beeindruckenden Revanche gegen die Dodgers begeistert hat.
Die Brewers stehen erstmals seit 1982 wieder in der World Series.
44 Jahre des Wartens könnten nun endlich ein Ende finden.
Und vielleicht ist es gerade diese Mischung aus Tradition, Leidenschaft und einer außergewöhnlichen Baseballgeschichte, die Milwaukee so sympathisch macht.
Denn wenn es eine MLB-Franchise gibt, bei der man sich als deutscher Baseballfan fast schon ein bisschen zu Hause fühlen kann, dann sind es die Milwaukee Brewers.
Also: Bier kaltstellen, Bratwurst auf den Grill und ab vor den Fernseher. Die Brew Crew spielt um die World Series!
