Niklas R. · World Series

Es ist nicht die World Series der großen Namen, die uns 2026 erwartet.
2024 trafen mit den Los Angeles Dodgers und New York Yankees zwei der bekanntesten Franchises des gesamten Sports aufeinander. Ein Jahr später standen sich die Dodgers und Toronto Blue Jays gegenüber. Shohei Ohtani, Aaron Judge, Mookie Betts oder Vladimir Guerrero Jr. – die vergangenen beiden World Series boten Superstars, internationale Strahlkraft und Franchises mit riesigen Fangemeinden.
2026 sieht das anders aus: Milwaukee Brewers vs. Tampa Bay Rays.
Milwaukee mit etwas über 500.000 Einwohnern gegen Tampa mit etwas mehr als 300.000 Einwohner.
Kein New York mit 8,3 Millionen Einwohner, kein Los Angeles mit 4,2 Millionen Einwohner und auch keine kanadische Franchise wo das ganze Land hintersteht.
Nein, Milwaukee gegen Tampa ist der Fall Classic 2026!
Zwei Franchises die in Deutschland und Europa nicht unbedingt zu den Teams mit den meisten Fans gehören kämpfen jetzt um die World Series.
Doch nur weil die großen Namen fehlen, bedeutet das noch lange nicht, dass uns eine langweilige World Series erwartet.
Ganz im Gegenteil!
Beide Mannschaften haben außergewöhnliche Geschichten zu erzählen und könnten erstmals in ihrer Franchise-Geschichte den größten Titel im Baseball gewinnen.
Aber warum sollte man ausgerechnet den Tampa Bay Rays die Daumen drücken?
Wir liefern euch fünf Gründe, warum ihr euch in die Franchise aus Florida verlieben könntet.
Sonne, Strand und Baseball - was will man mehr?Foto: ConnorScottMcManus (öffnet in neuem Tab) · Quelle (öffnet in neuem Tab)
1. Florida, Baby! Wer liebt bitte nicht den Sunshine State?
Sonne, Palmen, Strände und Temperaturen, bei denen man in Deutschland selbst im Oktober noch neidisch wird. Willkommen in Florida!
Während Baseballfans in Milwaukee spätestens im Herbst wieder ihre Winterjacken aus dem Schrank holen müssen, lässt es sich an der Golfküste Floridas deutlich angenehmer aushalten.
Die Tampa Bay Rays sind in St. Petersburg beheimatet, unmittelbar an der Tampa Bay und nur wenige Kilometer von einigen der schönsten Strände Floridas entfernt.
St. Pete Beach, Clearwater Beach oder die lebendige Innenstadt von St. Petersburg – die Region bietet deutlich mehr als nur Baseball. Das sage ich aus eigener Erfahrung!
Und genau das macht die Rays auch für europäische Fans interessant.
Wer eine Reise nach Florida plant, kann einen Besuch im Ballpark hervorragend mit einem Strandurlaub verbinden. Morgens am Golf von Mexiko entspannen, nachmittags durch Downtown St. Petersburg schlendern und abends MLB-Baseball erleben.
Klingt nach einem ziemlich perfekten Urlaub, oder?
Dazu passt auch die Identität der Franchise. Das hellblaue Trikot, das Sonnenstrahlen-Logo und die gesamte Farbwelt der Rays versprühen ein Lebensgefühl, das man eher mit Sommerurlaub als mit einem gewöhnlichen Baseballspiel verbindet.
Selbst der Name hat einen regionalen Bezug: Die Rays waren ursprünglich nach den in den Gewässern Floridas heimischen Rochen benannt. Seit der Umbenennung 2008 spielt die Organisation zusätzlich mit der Bedeutung von Sonnenstrahlen.
Und mal ehrlich: Wer möchte nicht ein Baseballteam unterstützen, dessen Heimat sich wie ein ganzjähriges Urlaubsziel anfühlt?
Rays Touch Tank im CenterfieldFoto: Zeng8r (öffnet in neuem Tab) · Quelle (öffnet in neuem Tab)
2. Weil bei den Rays sogar echte Rochen zum Stadionerlebnis gehören!
Wer einmal Bilder vom Tropicana Field gesehen hat, weiß: Dieses Stadion ist anders.
Während viele MLB-Ballparks mit offenem Himmel, großen Tribünen und spektakulären Ausblicken auf ihre jeweilige Stadt überzeugen, spielen die Tampa Bay Rays in einer riesigen Halle mit festem Dach.
Das Tropicana Field ist sicherlich nicht der schönste Ballpark der MLB. Manche Fans würden sogar behaupten, dass er zu den unbeliebtesten gehört.
Doch eines kann man dem Stadion nicht vorwerfen: dass es langweilig wäre.
Denn passend zum Namen der Franchise gibt es im Tropicana Field tatsächlich echte Rochen (auf englisch Rays)!
Im sogenannten „Rays Touch Tank“, einem großen Wasserbecken hinter dem rechten Centerfield, können Besucher lebende Rochen aus nächster Nähe beobachten und bei entsprechender Öffnung sogar vorsichtig berühren.
Das Becken entstand in Zusammenarbeit mit dem Florida Aquarium und gehört seit 2006 zu den ungewöhnlichsten Attraktionen der Major League Baseball.
Und als wäre ein Aquarium mitten im Baseballstadion nicht schon kurios genug, hat das Tropicana Field noch weitere Besonderheiten zu bieten.
Allein die berühmten Catwalks unter der Hallendecke sorgen regelmäßig für ungewöhnliche Spielsituationen.
Trifft ein geschlagener Ball eine der Stahlkonstruktionen, können besondere Ground Rules zur Anwendung kommen. Je nachdem, welchen Bereich der Konstruktion der Ball berührt, kann daraus beispielsweise ein spielbarer Ball oder ein Dead Ball werden. Die Yankees können aus der Division Series ein Lied davon singen!
Doch auch die jüngere Geschichte des Tropicana Field ist außergewöhnlich.
Im Oktober 2024 wurde das Dach des Stadions durch Hurrikan Milton schwer beschädigt. Die Rays mussten deshalb die gesamte Saison 2025 im George M. Steinbrenner Field, dem Spring-Training-Stadion der New York Yankees in Tampa, austragen.
Erst im April 2026 kehrte die Mannschaft nach umfangreichen Reparaturarbeiten in ihre eigentliche Heimat zurück.
Und diese Rückkehr hätte kaum besser verlaufen können.
Während der Regular Season entwickelte sich das Stadion anschließend zu einer echten Festung. Tampa Bay gewann 55 seiner 81 Heimspiele und stellte damit die beste Heimbilanz der gesamten MLB.
Vielleicht ist das Tropicana Field nicht der Ballpark, den man bei seiner ersten USA-Reise unbedingt besuchen möchte.
Aber ein Stadion mit echten Rochen, einer außergewöhnlichen Dachkonstruktion und jeder Menge kurioser Geschichten?
Das muss man als Baseballfan eigentlich mindestens einmal gesehen haben!
Einer der schnellsten Spieler im BaseballFoto: Raysfanjake1984 (öffnet in neuem Tab) · Quelle (öffnet in neuem Tab)
3. Chandler Simpson – schneller als die Polizei erlaubt!
Während in der modernen MLB immer mehr Wert auf Home Runs, Exit Velocity und Launch Angle gelegt wird, gibt es bei den Tampa Bay Rays einen Spieler, der all das scheinbar komplett ignoriert.
Sein Name: Chandler Simpson.
Der 25-jährige Outfielder gehört zu den schnellsten Spielern der gesamten Major League Baseball und ist damit eine echte Ausnahmeerscheinung.
Denn Simpson braucht keinen Home Run, um ein Spiel auf den Kopf zu stellen.
Ein schwach geschlagener Groundball? Für die meisten Spieler ein sicheres Out. Bei Simpson kann daraus plötzlich ein Infield Single werden.
Ein gewöhnlicher Single ins Outfield? Wenige Augenblicke später steht Simpson möglicherweise schon auf der zweiten Base.
Seine Geschwindigkeit ist schlichtweg beeindruckend.
Dabei ist vor allem seine offensive Spielweise bemerkenswert. Während andere Spieler versuchen, den Ball möglichst weit zu schlagen, konzentriert sich Simpson darauf, überhaupt auf Base zu kommen.
Und das funktioniert erstaunlich gut.
2026 beendete er die Regular Season mit einem Batting Average von .306, insgesamt 175 Hits und 38 Stolen Bases. Einen einzigen Home Run suchte man in seiner Statistik dagegen vergeblich.
Null Home Runs!
In einer Liga, in der Power-Hitting für viele Spieler zum wichtigsten Erfolgsrezept geworden ist, wirkt Simpson fast schon wie ein Baseballspieler aus einer anderen Zeit.
Doch genau das macht ihn so unterhaltsam.
In Spiel 5 der ALCS gegen Cleveland zeigte er eindrucksvoll, welchen Einfluss seine Geschwindigkeit haben kann. Nach einem Double stahl Simpson die dritte Base und erzielte anschließend den dritten Run der Rays.
Ein Spieler, der allein durch seine Geschwindigkeit eine gegnerische Defensive permanent unter Druck setzen kann, ist im modernen Baseball eine echte Attraktion.
Wer Baseball nicht ausschließlich wegen der Home Runs schaut, sondern auch spektakuläres Baserunning und kleine taktische Feinheiten liebt, wird an Chandler Simpson seine Freude haben.
Junior Caminero war verdientermaßen All Star 2026Foto: Moriah Levin (öffnet in neuem Tab) · Quelle (öffnet in neuem Tab) · Lizenz (öffnet in neuem Tab)
4. Junior Caminero – Power, Emotionen und jede Menge Superstar-Potenzial
Chandler Simpson ist der Mann für die Geschwindigkeit. Junior Caminero dagegen sorgt dafür, dass Baseballs gerne einmal in der nächsten Postleitzahl landen.
Der 23-jährige Third Baseman aus der Dominikanischen Republik gehört zu den aufregendsten jungen Spielern der MLB.
Und das liegt nicht nur an seinen sportlichen Leistungen.
Caminero bringt eine Energie auf das Spielfeld, die man kaum übersehen kann. Er feiert seine Erfolge, zeigt Emotionen und hat offensichtlich jede Menge Spaß an seinem Beruf.
2026 schlug er beeindruckende 42 Home Runs und sammelte 101 RBI. Damit entwickelte er sich endgültig zu einem der wichtigsten Spieler der Rays.
Besonders interessant ist dabei seine Vorgeschichte.
Ursprünglich gehörte Caminero zur Organisation der Cleveland Guardians. Im November 2021 wechselte er im Tausch gegen Pitcher Tobias Myers nach Tampa Bay.
Ein Trade, der sich rückblickend als absoluter Glücksgriff für die Rays herausgestellt hat.
Caminero entwickelte sich zu einem der vielversprechendsten Talente im Baseball und ist mittlerweile das Gesicht einer neuen Generation in Tampa Bay.
Dabei ist der junge Dominikaner nicht nur wegen seiner Power sehenswert.
Wer ihn nach einem wichtigen Hit oder Home Run beobachtet, bekommt schnell einen Eindruck davon, wie viel Leidenschaft in ihm steckt.
Seine Bat Flips, seine Gesten und seine Freude am Spiel machen ihn zu einem Spieler, bei dem man auch als neutraler Zuschauer gerne einschaltet.
Die MLB braucht Persönlichkeiten, die Menschen begeistern können. Spieler, die auch außerhalb der klassischen Baseball-Community Aufmerksamkeit erzeugen.
Junior Caminero besitzt das Potenzial, genau so eine Persönlichkeit zu werden.
Und mit der World Series bekommt er nun die größtmögliche Bühne, um sich der gesamten Baseballwelt zu präsentieren.
5. Weil die Rays ihren ganz eigenen Baseball spielen
Wer Baseball ausschließlich mit Home Runs und spektakulären Strikeouts verbindet, bekommt bei den Tampa Bay Rays eine interessante Alternative geboten.
Denn kaum eine andere Organisation hat in den vergangenen Jahren so konsequent versucht, den Sport mit ungewöhnlichen Ideen weiterzuentwickeln.
Das bekannteste Beispiel ist das sogenannte Opener-Konzept.
2018 begannen die Rays damit, regelmäßig einen Relief Pitcher für das erste Inning einzusetzen, bevor ein anderer Pitcher den Großteil des Spiels übernahm.
Die Idee dahinter: Die besten gegnerischen Batter sollten zunächst gegen einen frischen, spezialisierten Pitcher antreten, während der eigentliche Long Reliever anschließend unter günstigeren Bedingungen übernehmen konnte.
Was damals noch ungewöhnlich erschien, wurde später auch von anderen MLB-Teams übernommen.
Doch die besondere Spielweise der Rays beschränkt sich nicht auf den Mound.
Tampa Bay setzt seit Jahren auf defensive Flexibilität, clevere Matchups und die Fähigkeit, gegnerische Schwächen konsequent auszunutzen.
Auch 2026 zeigt sich diese Philosophie auf dem Spielfeld.
Mit Spielern wie Chandler Simpson besitzt die Mannschaft enorme Geschwindigkeit. Junior Caminero sorgt für die notwendige Power, während erfahrene Spieler wie Yandy Díaz und Jonathan Aranda mit ihrer Schlagqualität überzeugen.
Dazu kommt eine Defensive, die mit Spielern wie Taylor Walls regelmäßig für spektakuläre Aktionen sorgt.
Die Rays können Spiele auf ganz unterschiedliche Weise gewinnen.
Mal reicht ein Home Run von Caminero, mal entscheidet ein perfekt ausgeführtes Double Play und manchmal genügt ein aggressives Baserunning von Simpson, um den entscheidenden Run vorzubereiten.
Gerade diese Vielseitigkeit macht Tampa Bay so unangenehm für die Gegner.
Und sie macht die Mannschaft für neutrale Zuschauer besonders interessant.
Denn bei den Rays muss nicht zwangsläufig der größte Superstar den entscheidenden Moment liefern.
Manchmal ist es eben der Spieler, der den Ball gerade einmal 20 Meter weit schlägt und trotzdem sicher die erste Base erreicht.
Eine World Series ohne die ganz großen Namen? Na und!
Natürlich hätten die Los Angeles Dodgers und New York Yankees der MLB aus Marketingsicht vermutlich eine größere internationale Aufmerksamkeit beschert.
Shohei Ohtani gegen Aaron Judge. Zwei der größten Superstars des Sports auf der größten Bühne.
Doch die World Series muss nicht jedes Jahr von denselben Franchises geprägt werden, um faszinierend zu sein.
Die Tampa Bay Rays bringen ihre ganz eigene Mischung mit.
Eine Heimat im Sunshine State, einen der schnellsten Spieler der Liga, einen jungen Superstar mit gewaltiger Power und ein Stadion, das wahrscheinlich mehr ungewöhnliche Geschichten erzählen kann als jeder andere Ballpark.
Dazu kommt eine Mannschaft, die ihren Baseball auf eine ganz eigene Art interpretiert.
Vielleicht sind die Rays in Deutschland nicht so populär wie die Dodgers, Yankees oder Red Sox.
Vielleicht besitzt auch nicht jeder Baseballfan bereits ein hellblaues Trikot aus Tampa Bay im Kleiderschrank.
Doch genau das könnte sich mit dieser World Series ändern.
Denn manchmal braucht es nur einen spektakulären Stolen Base von Chandler Simpson, einen gewaltigen Home Run von Junior Caminero oder einen dieser verrückten Momente im Tropicana Field, um sich in eine Mannschaft zu verlieben.
Und wer weiß: Vielleicht entdeckt der eine oder andere Baseballfan in dieser World Series ja sogar sein neues Lieblingsteam.



