Niklas R. · World Series

Normalerweise beschäftigen sich MLB-Spieler während der World Series mit gegnerischen Pitchern, komplizierten Matchups und der Frage, wie man die entscheidenden vier Siege einfährt.
In diesem Jahr könnte allerdings noch eine ganz andere Frage hinzukommen: Was war das gerade für ein Geräusch im Hotelzimmer?
Denn sowohl in Milwaukee als auch in St. Petersburg haben die Mannschaften ihre Unterkünfte ausgerechnet in Hotels, um die sich seit Jahrzehnten zahlreiche Geistergeschichten ranken.
Und einige MLB-Stars behaupten sogar, dort bereits ziemlich unheimliche Erfahrungen gemacht zu haben.
Das Pfister Hotel: Wo selbst MLB-Stars Angst bekommen
Wer als Auswärtsmannschaft nach Milwaukee reist, landet häufig im berühmten Pfister Hotel.
Das luxuriöse Gebäude wurde 1893 eröffnet und gehört mit seiner viktorianischen Architektur und seiner beeindruckenden Kunstsammlung zu den bekanntesten Hotels der Stadt.
Doch unter Baseballspielern genießt das Pfister einen ganz anderen Ruf.
Es soll dort spuken.
Immer wieder berichten Spieler von unerklärlichen Geräuschen, flackernden Lichtern oder Gegenständen, die sich scheinbar von selbst bewegen.
Besonders häufig wird dabei der Geist von Charles Pfister erwähnt, der das Hotel gemeinsam mit seinem Vater Guido errichten ließ.
Der Legende nach soll Charles noch immer durch die Flure wandern und darauf achten, dass im Hotel alles mit rechten Dingen zugeht.
Eigentlich eine nette Vorstellung.
Wären da nicht die Geschichten einiger ziemlich verängstigter Baseballspieler.
Carlos Gómez flüchtete ohne Hose aus seinem Zimmer
Eine der bekanntesten Geschichten stammt von Carlos Gómez.
Der spätere Brewers-Outfielder übernachtete 2009 als Spieler der Minnesota Twins im Pfister Hotel.
Nach eigenen Angaben hörte Gómez plötzlich Stimmen in seinem Zimmer. Kurz darauf begann sein iPod verrücktzuspielen, wechselte selbstständig die Musik und gab seltsame Geräusche von sich.
Für Gómez war das offenbar zu viel.
Der Outfielder flüchtete aus seinem Zimmer in die Hotellobby.
Das Problem: Er war gerade aus der Dusche gekommen und hatte weder Schuhe noch eine Hose an.
Bei seinem nächsten Aufenthalt im Pfister Hotel brachte Gómez vorsichtshalber eine Bibel mit.
Ob diese tatsächlich geholfen hat, ist nicht überliefert.
Bryce Harper und die wandernden Möbel
Auch Bryce Harper gehört zu den MLB-Stars, die mit dem Pfister Hotel unangenehme Erinnerungen verbinden.
Der Superstar berichtete von einem Aufenthalt im Jahr 2012, bei dem er seine Kleidung vor dem Schlafengehen ordentlich auf einem Tisch abgelegt hatte.
Als er am nächsten Morgen aufwachte, lagen seine Sachen plötzlich auf dem Boden.
Noch merkwürdiger: Der Tisch stand nach Harpers Schilderung auf der gegenüberliegenden Seite des Zimmers.
Harper überprüfte daraufhin sogar, ob seine Zimmertür noch verschlossen war.
Sie war es.
Der Outfielder ließ sich anschließend ein anderes Zimmer geben.
Natürlich lässt sich nicht überprüfen, was in dieser Nacht tatsächlich passiert ist. Doch Harper war mit seiner Geschichte keineswegs allein.
Mookie Betts geht lieber auf Nummer sicher
Während einige Spieler ihre Erlebnisse erst im Nachhinein erzählen, versuchen andere, dem angeblichen Spuk direkt aus dem Weg zu gehen.
Einer von ihnen ist Dodgers-Star Mookie Betts.
Der Shortstop hat in der Vergangenheit mehrfach darauf verzichtet, im Pfister Hotel zu übernachten.
Stattdessen organisierte er sich bei Auswärtsspielen in Milwaukee eine andere Unterkunft.
Auch Teoscar Hernández wechselte während der Championship Series 2025 gemeinsam mit seiner Frau das Hotel, nachdem diese von den angeblichen Geistererscheinungen erfahren hatte.
Dabei betonte Hernández selbst, dass er eigentlich nicht an Geister glaube.
Offenbar war ihm der Familienfrieden dennoch wichtiger als die Frage, ob Charles Pfister tatsächlich noch durch die Hotelflure wandert.
Jetzt erwischt es die Tampa Bay Rays
Zur World Series 2026 sind nun die Tampa Bay Rays im Pfister Hotel untergebracht.
Und auch bei ihnen ließ die erste ungewöhnliche Erfahrung offenbar nicht lange auf sich warten.
Pitcher Cam Booser berichtete gegenüber The Athletic, dass während seiner ersten Nacht plötzlich eine Verbindungstür zu einem angrenzenden Zimmer heftig zu wackeln begann.
Booser konnte sich nicht erklären, was die Bewegung verursacht hatte.
Er fragte laut, ob jemand dort sei.
Danach war wieder Ruhe.
Ob tatsächlich ein Geist dahintersteckte oder lediglich ein anderer Hotelgast, bleibt natürlich offen.
Für die Rays dürfte die Geschichte trotzdem für reichlich Gesprächsstoff gesorgt haben.
Zumal sie nicht die einzigen sind, die sich in dieser World Series mit angeblich übernatürlichen Mitbewohnern beschäftigen müssen.
Auch in Florida soll es spuken
Denn sobald die World Series nach St. Petersburg umzieht, wechseln die Rollen.
Dann sind die Milwaukee Brewers an der Reihe.
Ihre Unterkunft ist das traditionsreiche Vinoy Resort, eines der bekanntesten Hotels an Floridas Westküste.
Das auffällig rosafarbene Gebäude wurde 1926 eröffnet und feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.
Doch auch das Vinoy hat eine ziemlich unheimliche Vergangenheit.
Nachdem das einstige Luxushotel wirtschaftlich schwierige Zeiten erlebt hatte, wurde es 1978 geschlossen und stand jahrelang leer.
Erst nach umfangreichen Renovierungsarbeiten öffnete es 1992 wieder seine Türen.
Seitdem ranken sich zahlreiche Geschichten um angebliche Geistererscheinungen.
Besonders bekannt ist die sogenannte „Lady in White“.
Dabei soll es sich um eine Frau in einem weißen Kleid handeln, die angeblich durch die Flure des fünften Stockwerks schwebt.
Andere Gäste berichteten von flackernden Lichtern, sich bewegenden Gegenständen und unerklärlichen Stimmen.
Sogar Baseballlegende Babe Ruth gehört zur Geschichte des Hotels. Der ehemalige Yankees-Star soll während seiner Karriere regelmäßig Zeit im Vinoy verbracht haben.
Trevor Megill hat beide Hotels bereits erlebt
Einer, der zu den angeblichen Spukgeschichten tatsächlich etwas beitragen kann, ist Brewers-Closer Trevor Megill.
Der Rechtshänder berichtete, dass er während eines früheren Aufenthalts im Vinoy ungewöhnliche Lichtkugeln gesehen habe.
Auch das Pfister Hotel hält er nach eigenen Aussagen für einen Ort, an dem es spuken könnte.
Damit kennt Megill gewissermaßen beide Seiten dieser außergewöhnlichen World Series.
Während andere Spieler versuchen, den Geschichten möglichst wenig Aufmerksamkeit zu schenken, scheint sich der Brewers-Pitcher durchaus für die unerklärlichen Erlebnisse zu interessieren.
Ob ihm das in Florida einen Vorteil verschafft?
Zumindest dürfte er besser vorbereitet sein als so mancher Teamkollege.
Und dann wäre da noch Halloween …
Die ganze Geschichte bekommt durch den Spielplan der World Series eine besonders kuriose Note.
Sollte die Serie über die volle Distanz von sieben Spielen gehen, würde das entscheidende Spiel am 31. Oktober in Milwaukee stattfinden.
Also ausgerechnet an Halloween.
Die perfekte Kulisse für eine World Series, bei der nicht nur auf dem Spielfeld für Gänsehaut gesorgt wird.
Vielleicht erleben wir dann nicht nur einen dramatischen Walk-off oder ein entscheidendes Strikeout, sondern auch die eine oder andere weitere Geistergeschichte aus den Teamhotels.
Viel Aberglaube, aber auch viel Baseballtradition
Natürlich gibt es bis heute keine belastbaren Beweise dafür, dass es im Pfister Hotel oder im Vinoy tatsächlich spukt.
Alte Gebäude, knarrende Böden, ungewöhnliche Geräusche und eine ordentliche Portion Fantasie können schließlich ausreichen, um selbst gestandenen MLB-Profis einen Schrecken einzujagen.
Zumal sich die Geschichten innerhalb der Liga seit Jahren verbreiten und längst Teil der Baseballfolklore geworden sind.
Doch genau das macht sie so unterhaltsam.
Während Milwaukee und Tampa Bay um ihren ersten World-Series-Titel kämpfen, liefern die beiden traditionsreichen Hotels eine völlig andere Geschichte abseits des Spielfelds.
Und wer weiß?
Vielleicht entscheidet am Ende nicht nur die bessere Offensive oder das stärkere Pitching über den Ausgang der Serie.
Sondern auch die Frage, welche Mannschaft nach einer Nacht im Spukhotel überhaupt noch ausgeschlafen zum Ballpark kommt.




